Baron Gautsch

Der luxuriöse österreichische Passagierdampfer fuhr unter der Flagge des österreichischen Lloyd. Namensgeber des Schiffes war der Kärntner Baron Paul Gautsch v. Frankenthurn, der Ende des 19. Jahrhunderts zunächst Unterrichtsminister, später dann Ministerpräsident und Innenminister der K&K Monarchie war. 

Gebaut wurde das 80m Schiff 1908 und verkehrte ebenso wie seine beiden Schwesterschiffe, den "Prinz Hohenlohe" und später der "Baron Bruck", auf der dalmatinischen Eillinie in der nördlichen Adria. Nach Kriegsausbruch wurde der "Baron Gautsch" am 27.7.1914 von der k.u.k. Kriegsmarine angemietet, um Augmentationstruppen (Verstärkungen) nach Cattaro (Kotor) zu transportieren. Auf 4 Fahrten in Miete wurden 1810 Seemeilen zurückgelegt und 2855 Personen befördert. Auf der Rückreise wurden jeweils Zivilisten in die obere Adria evakuiert.

Nach Abschluß der Augmentation wurde das Schiff am 11.8.1914 dem Lloyd in Cattaro (Kotor) zurückgegeben. Vor der Abreise nach Cattaro (Kotor) fand in Triest eine Besprechung im k.u.k. Seebezirkskommando statt, bei der einem Offizier des Schiffes Anweisungen über den Kurs gegeben werden sollten, den das Schiff wegen der von der k.u.k. Kriegsmarine zu legenden Minenfelder einzuhalten haben würde. Der Kapitän des "Baron Gautsch", Paul Winter, entsandte den II. Offizier, Tenze, zu dieser Besprechung, der seinem Kapitän berichtete, worauf der I. Offizier, Luppis, den Kurs festlegte. Schriftliche Aufzeichnungen über die Minenfelder durften aus Geheimhaltungsgründen nicht angefertigt werden. Im weiteren Verlauf der Reise erhielt die Schiffsführung ergänzende Weisungen der Militärbehörden in Zara (Zadar), die im wesentlichen jenen des Triestiner Seebezirkskommandos entsprachen.

Am  13. August gegen 11.00 Uhr lief das Schiff mit 240 Fahrgästen und 66 Mann Besatzung auf dem Weg von Dalmatien nach Triest aus dem Hafen von Male Lussin aus. An Bord waren hauptsächlich Sommerurlauber und Flüchtlinge aus Bosnien und der Herzegowina, darunter sehr viele Frauen und Kinder der dort stationierten  österreichisch-ungarischen Militärangehörigen, die zurück nach Österreich wollten. Die geplante Ankunftszeit in Triest war für  18.00 Uhr vorgesehen. Von Lussin bis auf die Höhe von Pola (Pula) hätte der I. Offizier Luppis die Wache zu führen gehabt, übergab diese jedoch ohne Zustimmung und Erlaubnis des Kommandanten dem II.Offizier Tenze und speiste mit den Passagieren der I.Klasse zu Mittag.  Tenze hätte ohnehin um 14.00 Uhr den Dienst zu übernehmen gehabt, daher verließ Luppis gegen 13.45 Uhr die Brücke.

Durch einen Navigationsfehler gerät das Schiff viel näher an der Küste, als es die Anweisungen der Militärbehörden verlangten. Auch eine Begegnung mit dem Schwesterschiff "Prinz Hohenlohe", das 3 Seemeilen weiter von der Küste nach Dalmatien unterwegs war und einige Hinweise mitreisender Passagiere gegenüber dem kommandierenden Offizier veranlassten niemanden zu einer Kurskorrektur.

7 Seemeilen nördlich der Brionischen Inseln lief der Dampfer um ca. 14.45 Uhr mit voller Fahrt in das gerade erst verlegte Minenfeld der eigenen Marine. Der Minenleger "Basilisk" gab noch Warnsignale, die jedoch nicht beachtet wurden. Zwei Explosionen zerrissen die Bordwand an Backbord, und das Schiff sank innerhalb von 6 Minuten an den Koordinaten 44°56'1" nördlicher Breite, 13°33'3" östlicher Länge ( Tauchkoordinaten liegen bei N44°56'25" E13°34'40" ).

Das aus den geborstenen Öltanks ausfließende Öl fängt Feuer und ist für einen großen Teil der Verluste mit verantwortlich. Insgesamt forderte das Unglück immensen Blutzoll: 159 Personen konnten von den zu Hilfe eilenden Zerstörern "Csepel", "Triglav" und "Balaton" gerettet werden, 68 Leichen wurden geborgen, 177 Menschen, darunter Frauen und Kinder, die von den Inseln nach Triest gebracht werden sollten, ertranken oder erstickten am ausgelaufenen, Schweröl. Kapitän Winter und der I. Offizier wurden gerettet und in Pola (Pula) unter Hausarrest gestellt. Die Leiche des II. Offiziers wurde zwei Tage später bei Pola angeschwemmt - mit einer Kugel im Kopf. Tenze hatte also aus den Folgen seiner Schiffsführung die Konsequenzen gezogen. Aus politischen Gründen wurde die Nachricht über das Unglück weitgehend unterdrückt.

Das Schiffswrack der BARON GAUTSCH ist heute ein wunderschönes Tauchziel in der oberen Adria. Sie liegt aufrecht im Wasser, die oberen Decks sind so zerfallen, so daß viel Licht vorhanden ist. Das Wrack ist groß genug, um immer noch etwas neues zu finden, besonders wenn man tiefer ins Innere eindringt. Nicht unproblematisch ist jedoch die Tiefe (28-40m) und die relativ lange Anfahrt (von Rovinj 45-90min).

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